Die Geschichte Neuenbrooks

 

Gegründet wurde das Kremper-Marsch-Dorf Neuenbrook wahrscheinlich Ende des 12. oder zu Beginn des 13. Jahrhunderts. Erstmalig urkundlich erwähnt wurde Neuenbrook im Jahr 1237. Den Neusiedlern, die ihren Koog erst befestigen, mit Deichlinien umgürten und durch ein ausgeklügeltes System von Gräben in die entfernte Stör entwässern mussten, bot sich ein die Mühe reich entlohnender Boden. Die Fruchtbarkeit des Bodens war höher als die des Geestlandes.

 

Dass der "neue Bruch" , wie der Ortsname auf Hochdeutsch heisst, auch eine Kirche erhielt, passte in das Bild der insgesamt kleinräumigen Kirchspielorganisation der Kremper Marsch.

Auf die von Holländern mitgeprägte Besiedlung verweist eine hollisch-rechtliche Gemeindefassung die bis ins Jahr 1470 in Gebrauch war. Die Aufhebung des hollischen Rechts durch den Landsherrn machte damals eine Veränderung der Neuenbrooker Verfassung nötig. Hinfort waren ein Ältermann und vier Geschworene Repräsentanten der Gemeinde.

 

Wichtigster, ja einziger Wirtschaftszweig Neuenbrooks war im Mittelalter die Landwirtschaft.  

 

Im 15. Jahrhundert konnten die Höfe nicht mehr alle nachwachsenden Menschen unterbringen. Deshalb entstand um die Kirche, vor allem im 16. und 17. Jahrhundert, das Kirchdorf mit überwiegend gewerblichen und lohnarbeitenden Bewohnern. Schuster, Schneider, Zimmerleute, Schmiede und Tischler wurden sesshaft.

 

Mit Anbindung des Kirchdorfes an die Münsterdorfer Geestinsel durch den Landweg (1522) und die Verlängerung dieses Weges in Richtung auf die Steinburg, wurde Neuenbrook als Durchgangsort in eine der Hauptstraßen Holsteins eingebunden. Die Folge war, dass entlang der Straße eine Reihe von Raststätten und Krügen entstand die zum verweilen einluden. Im Verlauf des Kaiserlichen Krieges (1626 - 1629), in dessen Verlauf Krempe und Glückstadt über ein halbes Jahr belagert wurden, wurde der westliche Teil unseres Dorfes verwüstet, das Pastorat zerstört und die Kirche ausgeräumt. Es konnte aber alles wieder aufgebaut werden.

 

Die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts kann dann als erste Blütezeit Neuenbrooks angesprochen werden. Die Bauern entwickelten einen beträchtlichen Wohlstand, das dörfliche Handwerk erlebte eine Blütezeit und einige Neuenbrooker begannen mit dem Pferdehandel.

 

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sinkt die Bevölkerung Neuenbrooks trotz erhöhter Kinderzahl. Zu stark waren die Kräfte der Industrialisierung. Die neuen Fabriken lockten mit Löhnen, die die Landwirte nicht bereit waren zu zahlen. So leerten sich die Wohnungen im Kirchdorf.

 

Die Kirche (Baujahr etwa 1250), seit Jahrzehnten nur noch durch Reparaturen dürftig zusammengehalten wich 1890/91 einem Neubau - unserer heutigen St. Katharinenkirche. Das Vereinswesen erblühte. Die freiwillige Feuerwehr entstand und wurde nach und nach mit modernen Geräten ausgestattet. Die Dorfschaft wurde durch eine Gemeindeversammlung, später Gemeindevertretung, abgelöst.   Das Amt Neuenbrook unter seinem Amtvorsteher wurde gebildet. Das Straßennetz in Neuenbrook wurde mit Klinkern ausgebaut.

Der erste Weltkrieg bedeutete für Neuenbrook einen gewissen Einschnitt und das nicht nur, weil viele Neuenbrooker Männer eingezogen wurden und an der Front getötet wurden, sondern weil dadurch das Ende der landwirtschaftlichen Hochkonjunktur markiert wurde. Die Inflation zwischen 1914 und 1918 betrug 50%. Die Währungsreform 1923 vernichtete einen erheblichen Teil der bäuerlichen Geldvermögen, befreite aber auch von alten Schulden.

Doch nicht nur in politischer Hinsicht stellen die 1920er Jahre Für Neuenbrook einen gewissen Umbruch dar. Die "neue Zeit"  brachte Elektrizität und Leitungswasser ins Dorf.  


 

Der zweite Weltkrieg (1939-1945) bescherte den Neuenbrookern nicht nur Aderlass bei den Männern, sondern setzte den Ort auch direkten Kriegseinwirkungen durch Bombenschäden aus. Ende 1944 kam die erste Welle von Flüchtlingen aus den Ostgebieten nach Neuenbrook. Bis 1945 hatte Neuenbrook dadurch einen Bevölkerungszuwachs von 130%. Der anfänglichen Ablehnung der Flüchtlinge ist deren Integration erfolgt. Die Schaffung von Neubaugebieten, die infrastrukturelle Verbesserung der Gemeinde und der Aufbau einer Dörfergemeinschaftsschule (jetzige Grundschule) mit Rethwisch haben diesen Prozess unterstützt. Auch die Bildung eines eigenen Sportvereins 1953 und die Wirksamkeit des Gesangvereins haben ihren Teil beigetragen.

 

Die Landwirtschaft ist zwar heute immer noch das bestimmende Wirtschaftselement Neuenbrooks. Das Dorf ist seinem äußeren Eindruck nach noch immer ein Bauerndorf. Aber die meisten Neuenbrooker verdienen ihr Geld weder mit der Landwirtschaft noch in Neuenbrook.

 

Dass jeder Haushalt heute über einen eigenen PKW verfügt, hat tiefgreifende Auswirkungen. So wissen viele Neuenbrooker Neubürger wahrscheinlich gar nicht, dass Neuenbrook in den 70/80er Jahren zwei Tankstellen, zwei Lebensmittelläden, drei Zimmereien, zwei Maurerbetriebe, einen Bäcker, einen Schmied, einen Schuster, eine Westbank, eine Sparkasse und eine eigene Post hatte.Von den vielen Gaststätten ganz zu schweigen. Das Dorf gilt heute fast nur noch als Wohnbasis.

 

In den letzten Jahren sind einige bedeutende Vorhaben geplant und umgesetzt worden. Wie z.B. Ortsentwässerung, Dorfentwicklung, Baugebiet Birkenweg, Windkraftanlagen.  Nicht alle Planungen konnten realisiert werden, insbesondere sind bisher die Bemühungen um den Bau einer Altenwohnanlage fehlgeschlagen.  

 

 

    

 

 

 

 

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